KriegsflüchtlingeBislang Geflüchtete aus der Ukraine

Millionen Ukrainer*innen mussten ihr Zuhause hinter sich lassen, um der Gewalt und Zerstörung durch Russlands Truppen zu entkommen. Europa erwartet bis zu zehn Millionen Menschen. Wohin gehen sie? Wie groß ist die Fluchtbewegung im historischen und weltweiten Vergleich? Die aktuelle Lage in der Übersicht.

Wie viele Menschen täglich die Ukraine verlassen

Seit Kriegsbeginn am 24. Februar haben etwa Menschen die Ukraine verlassen. Insbesondere Frauen und Kinder fliehen vor der russischen Invasion. Ukrainische Männer zwischen 18 und 60 Jahren dürfen aktuell nicht ausreisen. Doch auch innerhalb des Landes sind mehrere Millionen Menschen auf der Flucht oder sitzen in belagerten Städten fest.

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insgesamt auf der Flucht
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In welche Nachbarländer die Menschen aus der Ukraine flüchten

Die Karte zeigt die registrierten Grenzübertritte in die direkten Nachbarländer der Ukraine, aber nicht wie viele Menschen sich dort wirklich aufhalten. So beinhaltet die Angabe für Polen, die Slowakei und Ungarn auch Geflüchtete, die noch weiter in andere EU-Länder gereist sind. Denn innerhalb des Schengen-Raums gibt es kaum Grenzkontrollen.

In Deutschland wurden bis laut Bundespolizei Geflüchtete aus der Ukraine registriert. Diese Angabe ist aber nicht mit den Werten auf der Karte direkt vergleichbar. Die tatsächliche Zahl für Deutschland liegt höher. Eine Registrierung ist für Ukrainer*innen nur notwendig, um Sozialleistungen zu erhalten oder offiziell arbeiten zu können.

Die schnellste und größte Flucht­bewegung in Europa

Innerhalb der vergangenen Jahrzehnten flüchteten aus keinem anderen Land so viele Menschen nach Europa wie aus der Ukraine innerhalb weniger Wochen. Viele Geflüchtete blieben nur einige Zeit. So kehrten nach dem Ende der Jugoslawien-Kriege ein Großteil der Menschen wieder in ihre Heimat zurück. Die letzte größere Fluchtbewegung erreichte Europa 2015. Die Behörden erfassten damals rund 1,3 Millionen Asylanträge. Davon enfielen 477.000 auf Deutschland, bei 890.000 Erstregistrierungen.

Die Grafik enthält nur Herkunftsländer mit über 100.000 Tausend Geflüchteten in Europa (inkl. Russland, exkl. Türkei und Staatenlose). Die Jahreszahl gibt an, wann am meisten Flüchtlinge eines Landes in Europa lebten. Für das Jahr 2022 werden nur die Zahlen der Ukraine laufend aktualisiert. Es werden keine Personen einbezogen, die innerhalb des eigenen Landes auf der Flucht sind. Da Zahlen für türkische Geflüchtete in Deutschland im Datensatz zeitlich unvollständig sind, werden sie nicht dargestellt.

In Europa lebende Flüchtlinge nach Herkunftsland
02022
Ukraine
0 (2022)
1990200020102020

Welche Staaten bislang am meisten Schutzsuchende aufnehmen

Aufgenommene Geflüchtete pro 1.000 Einwohner*innen

Laut UN-Flüchtlingshilfswerk leben über 30 Millionen Geflüchtete im ausländischen Exil (Stand Juni 2021), die meisten davon in Nachbarländern ihrer Heimat. Dazu kommen weltweit über 50 Millionen Binnenflüchtlinge, die innerhalb ihrer Länder gewaltsam vertrieben wurden. Die Zahl der in Deutschland und anderen europäischen Ländern untergekommenen Geflüchteten ist in den letzten Jahren gestiegen, bleibt bislang im internationalen Vergleich jedoch gering - mit Ausnahme der Fluchtbewegungen während der Jugoslawienkriege. Mit der Ukraine ändert sich das.

Für 2021 wurden die aktuellsten verfügbaren Einwohner*innen-Daten von 2020 verwendet. Daten zu Serbien und Kosovo werden von der UNHCR gemeinsam erfasst und wurden in der Darstellung entsprechend zusammengelegt.

Konflikte in Nordost-Afrika, Flucht von Venezuelaner*innen
3,7 Millionen Menschen, die Syrien verlassen haben, leben in der Türkei. Die erneute Machtergreifung der Taliban in Afghanistan zwingt Millionen auf die Flucht - diese sind in den Daten (Stand: Juni 2021) aber noch nicht abgebildet. Venezuelaner*innen gehören nach Jahren andauerndem Krisenzustandes zu den größten Gruppen Geflüchteter weltweit, die meisten suchen in Peru und Kolumbien Schutz. Der mittlweile über 30-jährige Bürgerkrieg in Somalia hält Menschen weiterhin im Exil. Menschen aus Sudan, Südsudan, DR Kongo und der Zentralafrikanischen Republik fliehen wegen Bürgerkriegen und Konflikten in Nachbarstaaten.


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Thüringer Allgemeine, 30.03.2022
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